Predigten




Auf dieser Seite werden wir verschiedene Predigt-Texte veröffentlichen. (besondere Gottesdienste oder besondere Themen)

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16.05.10 - P. M. Riemann
Thomasmesse 2009
08.11.09 - P. M. Riemann
25.01.09 - Pn. Ch. Schröder
30.11.08 - Pn. Ch. Schröder
15.06.08 - P. A. Schneider
09.03.08 - P. A. Schneider
18.11.07 - P. M. Riemann
13.05.07 - P. M. Riemann
29.04.07 - P. M. Riemann
03.09.06 - P. M. Riemann
07.05.06 - P. M. Riemann
12.02.06 - P. M. Riemann
28.08.05 - P. M. Riemann
27.03.05 - P. M. Riemann
25.03.05 - Vikarin E. Steude
02.02.05 - P. M. Riemann
26.12.04 - P. M. Riemann
27.06.04 - P. M. Riemann
25.04.04 - P. M. Riemann
08.02.04 - P. M. Riemann
28.09.03 - P. M. Riemann
20.07.03 - P. M. Riemann
15.06.03 - P. M. Riemann
30.03.03 - P. M. Riemann
24.12.02 - P. M. Riemann
27.10.02 - P. M. Riemann
22.09.02 - P. M. Riemann
25.08.02 - P. M. Riemann
19.05.02 - P. M. Riemann
21.04.02 - P. M. Riemann
14.04.02 - P. H.-C. Hermes
07.04.02 - Vikarin K. Jaensch u. Vikar S. Thäsler
31.03.02 - Vikar S. Thäsler
28.03.02 - P. M. Riemann
24.03.02 - P. M. Riemann
10.02.02 - P. H.-C. Hermes




Pfingstmontag, 24.5.2010, Diamantene Konfirmation P. Schneider Predigttext: Matthäus 5


1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
3 Selig sind, die da arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Liebe Gemeinde!
Selten genug habe ich das Gefühl, einmal diesen Text vorlesen zu dürfen, ohne in fragende Augen zu schauen. Denn nicht nur im Konfirmandenunterricht der letzen Jahre mache ich immer wieder die Erfahrung, dass viele mit dem Begriff "Selig" gar nichts mehr anfangen können. Und bevor ich über das, was Jesus da erzählt, reden kann, muss ich erst einmal ins Deutsche übersetzen, was Selig überhaupt bedeuten kann.
Ihnen aber, denke ich, tut sich auch ohne meine Übersetzung auf, was mit selig gemeint ist, während ich den Konfirmanden erst einmal erkläre, dass wir statt selig auch Glücklich sagen können. Auch wenn Glück es vielleicht nicht ganz trifft, wenn Jesus sagt: selig ist…
Also könnte ich auch sagen: Glücklich ist, der…..

Nun aber verbindet Jesus da einiges mit dem Glück, dass ganz und gar nicht zu dem zu passen scheint, was wir so unter Glück verstehen. Und so stellt sich die Frage: Was verstehen wir unter Glück?

Mit der Frage nach dem Glück ging auch vor einigen Jahren die evangelische Kirche in die Öffentlichkeit.
"Was ist Glück?" so fragte sie vor Jahren auf einer Plakatserie. "Was ist Glück: eine Gehaltserhöhung, wieder einmal bei Oma Erdbeerkuchen essen, Gesundheit oder das Deutschland auch ohne Michael Ballack Fußballweltmeister wird?"

"Was ist Glück?" "Selig sind die Armen", beginnt Jesus die Bergpredigt. "Glücklich sind die Menschen, die mit leeren Händen vor Gott stehen!", heißt es in einer neuen Übersetzung dazu. Mir fällt dazu das Märchen von Hans im Glück ein. Dieser Hans ist ja eigentlich ein dummer Kerl. Nach sieben Jahren harter Arbeit erhält er als Lohn einen Klumpen Gold, den tauscht er gegen ein scheuendes Pferd; das Pferd gegen eine alte Kuh; die Kuh gegen ein möglicherweise gestohlenes Schwein, das Schwein gegen eine Gans; die Gans gegen einen angeblichen Schleifstein, und dieser Schleifstein fällt ihm auch noch in den Brunnen. Am Ende hat Hans nichts in den Händen, dennoch kommt er fröhlich und wohlgemut zuhause an. Er ist glücklich, Hans im Glück!

Es steckt sehr viel Weisheit in diesem Märchen. Glück ist eben nicht der Besitz und das Geld! Reiche Leute sind oft sehr arm in ihren menschlichen Beziehungen. Wenn Oma und Enkel zusammen ein Stück Torte essen und sich beide gut verstehen: das kann ein großes Glück bedeuten! Doch dieses Glück ist meistens nur eine Sache des Augenblicks: schnell ist der Sonntag vorbei, und der Alltag hat die Oma und den Enkel wieder. Ähnlich ist es mit dem Titel Fußballweltmeister: oft ist das Glückgefühl vor dem Anpfiff größer als nach dem Fußballspiel. Auch die schönsten Triumphe der deutschen Mannschaft werden schnell in Vergessenheit geraten. "Glück und Glas - wie schnell bricht das!" Ist Glück Gesundheit? Der kranke Mensch wird diese Frage ganz schnell bejahen; der gesunde Mensch hat sich darüber wohl noch nie den Kopf zerbrochen.

Heute feiern wir in unserem Gottesdienst das Fest der Diamantenen Konfirmation. 60 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Als sie konfirmiert wurden, da war der Krieg schon paar Jahre vorbei: es ging wieder aufwärts. Und als Deutschland 1954 Fußballweltmeister wurde, da hieß es: "Wir sind wieder wer!" Damals gingen sie in die Lehre oder waren damit gerade fertig geworden. Sie waren gerade frisch verliebt; und ich denke dass Sie damals glücklich waren! Doch dieses Glück hat dann eine wechselseitige Geschichte gehabt. Sie haben geheiratet und Kinder bekommen, Sie haben Glück und Unglück eines Familienlebens erfahren. Sie haben Erfolge und auch Misserfolge erlebt. Mit dem Alter haben sich mehr und mehr Krankheiten eingestellt. Sie haben sich bemüht, anständige Menschen zu sein und anständig zu leben: trotzdem haben Sie so manches Leid erfahren müssen. Leid und Unglück treffen die guten wie die bösen Leute; oft hat man das Gefühl, dass gute Menschen mehr leiden müssen als die schlechten. Hat es sich gelohnt, dass Sie vor 60 Jahren versprochen haben, dem Herrn Jesus Christus und seiner Kirche treu zu bleiben und im christlichen Glauben leben zu wollen? Was haben Sie davon gehabt? Dauerhaftes und ununterbrochenes Glück haben Sie nicht bekommen! Ewige Jugend und dauerhafte Gesundheit auch nicht! Hat es sich gelohnt, dass Sie sich vor 60 Jahren haben konfirmieren lassen? Und dabei gab es damals ja längst nicht diese vielen und tollen Geschenke, wie sie heutzutage die Konfirmanden einheimsen. "Was habe ich davon? Was kriege ich dafür?" Das sind Fragen, die einen vernünftigen Menschen doch beschäftigen, wenn er sich auf etwas einlässt. Und da bekommen wir eine klare Antwort, wir wissen, was wir davon haben. Nein, nicht ewige Gesundheit, nicht ewiges Glück und Glückseligkeit. Wir werden zu einem Kind Gottes, in der Taufe hat uns Gott dies zugesprochen und uns mit seinem Geist gesegnet.

Aber auch da stellt sich für manche die Frage: Was habe ich davon?

Auch bei Ihrer Konfirmation wurde ihnen damals kein dauerhaftes Glück und ewige Gesundheit versprochen. Ihnen ist aber verheißen worden, dass Sie Gottes Kinder sind, dass der gute Hirte Sie durch die Not hindurch helfen wird und dass am Ende Sie mit Gott in seiner Ewigkeit leben sollen. Mit Ihrer Taufe und mit Ihrer Konfirmation sind Sie Bürger und Miteigentümer, ja Erben am Reich Gottes geworden. Das ist viel mehr wert als jede Belohnung!

Natürlich haben Sie sich in mancher Not einsam und verlassen gefühlt. Komischerweise liegt das in der Natur der Sache, dass man Gottes Bewahrung oft erst dann erkennt, wenn die Not vorbei ist. "In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!" Damals haben Sie das vielleicht nicht sehen können; hoffentlich sehen Sie es jetzt! "Hat es sich gelohnt, dass Sie sich vor 60 Jahren haben konfirmieren lassen?" Wer so fragt, der schaut zurück und klebt dann nur noch an seiner Vergangenheit. Mit der Konfirmation damals und mit dem Fest der Diamantenen Konfirmation heute werden Sie eingeladen nach vorn zu schauen: das unvergängliche Glück wartet noch auf Sie in der Ewigkeit unseres himmlischen Vaters.

Amen
Pastor A. Schneider