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Weiteres zur Baugeschichte

Es sei dazu auf verschiedenen frühere Ausführungen, z.B. in der Orts-Chronik Winsen (Cordes), bzw. Winser Geschichtsblätter Nr. 10 (Jan Heuer) verwiesen.

Feststeht, dass Quellen zur frühen Baugeschichte nicht verfügbar sind. Dennoch sind von der heutigen Ansicht des inneren Turmmauerwerkes her einige Fragen zu stellen, die auf die Ursprünge der Winser Kirche zielen.

1. In welchen Jahrzehnten des ersten Jahrtausends wurde eine (vermutlich Holz-)Kirche errichte?

Zur Zeit Karls des Großen lag Winsen zunächst in heidnischem Germanengebiet, das er in jahrelangen Kämpfen, vor allem aber nach dem "Sachsenschlachten von Verden" (782 n. Chr.) schließlich erobern konnte.

Auch die Aller bot sich wie viele andere Flüsse in militärischer und später wirtschaftlicher Hinsicht als natürlicher Weg in das zunächst unbekannte Land an.
Bedeutung für das frühere Winsen hatte die Furtstelle durch den Fluss, der dort lange Zeit, in drei Arme geteilt, mindestens zwei Inseln ergab.
Die Kirche steht an erhöhter Stelle zwischen dem vormals vorhandenen nördlichen und einem der südlichen Flussläufe. (Der nördliche Arm floss in westlicher Richtung durch den Garten des "Küsterhauses", heute drittes Pfarrhaus, über das Grundstück des Gemeindehauses.)

In vorchristlicher Zeit war eine solche geschütze Stelle geeignet, um dort eine heidnische Kultstelle zu errichten, die in enger Beziehung zum Totenkult zu sehen wäre. Als nach dem 2. Weltkrieg auf dem Hof von Hermann und Renate Thies Gründungsarbeiten zur Errichtung eines neuen Kuhstalls aufgeführt wurden, fand man - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kirchen-/Friedhofsgelände - eine Reihe von Tongefäßen, die nicht in Winsen geblieben sind. Es bleibt nachzuforschen, wo sie sich befinden und in welche Herstellungszeit sie datiert werden können: Sind es altgermanische, bronzezeitliche Urnengrab-Relikte aus der "Trichterbecherzeit"?

Aus der Missionierungsgeschichte ist bekannt, dass Kirchen oft just dort errichtet wurden, wo man bis dahin heidnischen Kult gepflegt hatte.
In jedem Fall darf man annehmen, dass der Kirchbau in Winsen nicht mit der Errichtung eines gemauerten, sondern hölzernen Gebäudes begann, vermutlich schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts.

2. Welche Rückschlüsse lässt das Mauerwerk des Turms der Winser Kirche zu?

a) Die Innenmaße von knapp sechs Metern im Geviert und die außergewählich dicken Mauern aus Raseneisenstein im unteren Bereich (einschließlich der äußeren Fassadenverkleidung: 2m) weisen wohl darauf hin, dass dort bei feindlichen Angriffen Schutz geboten wurde. Nach den Flussarmen und einer Kirchhofsmauer gleichsam ein dritter und letzter Schutzraum, der jedoch in Zeiten ohne feindliche Bedrohung auch als gottesdienstlicher Raum ausreichend dimensioniert gewesen sein kann.

Auf diesen Rückschluss, Turm = früheste Stein-Kirche, könnte eine bauliche Besonderheit in der Westwand hinweisen. Dort ist, mit Backsteinen ausgemauert, ein Bogen zu sehen, in dem tragende Balken für eine Halbtonnendecke (wie über dem heutigen Kirchenschiff) ihre Auflage gehabt haben könnten.
Sogar eine Kreuztonnenwölbung ist denkbar: Ein älterer Seitenschnnitt aus südlicher Sicht zeigt eine gepunktet skizzierte Wölbung über dem heutigen "Erdgeschossraum" des Turms.

Der Rückschluss, dass der Turm anfangs als Kirchraum gedient hat, würde wesentlich durch Funde von Grabrresten aus christlicher Zeit gestützt, (besondere Persönlichkeiten wurden in den Kirchen bestattet), doch aus Gründen der Statik wäre eine ausreichend tiefe Schürfe im Innenraum des Turms zu gewagt. Gegen solch einen Versuch spricht außerdem, dass dort früher der Kohleofen der Kirchenheizung stand, auf einem erheblich tieferen Niveau als das des heutigen Fussbodens. Das heißt, dass dort keine originäre Bodenstruktur erwartet werden kann, weil sie durch Bauarbeiten für die Heizung zerstört worden sein muss.
Bemerkenswert ist einen überlieferte plattdeutsche Redewendung für den Kirchgang, "(wi gaht) na den ole Turm".

b) die Eingänge (Türen)
Im spärlich vorhandenen Archivmaterial wird von häufig notwendigen Reparaturen am Mauerwerk des Turms berichtet.
Der Umriss des ursprünglichen Eingangs in der Westwand ist im Bereich der Holztreppe deutlich zu sehen. Spätestens 1822 wurde dieser Eingang geschlossen und die heutige Nordtür eingebaut. Dort war vorher, über eine hölzerne Außentreppe erreichbar, eine kleinere, einfügelige Tür, durch die man auf die Geschossdecke in Höhre der alten Empore gelangte. Diese (Holz-Balkendecke) hatte ihre Auflage auf den Mauern, deren unterer Teil an drei Wandseiten ungefähr 25 cm dicker ist als die oberen Mauern - bis zu einer Höhe von ca. 2 m über dem heutigen Fussboden.
In das alte romanische und später nach gotischer Architektur gestaltete Kirchenschiff gelangte man durch die beiden (romanischen) Torbogen, von denen einer noch heute offen/begehbar ist.
Der linke, nördliche Bogen ist in halber Stärke zugemauert und niedriger. Denkbar ist, dass er den Freuen vorbehalten war, die entsprechend auch ihre Sitzplätze im Kirchenschiff hatten. (Solche Sitzordnung war z.B. noch bis in die sechziger Jahre in der Kirche zu Rödinghausen/Westfalen üblich.)
In Höhe der Empore ist in der Mitte der Ostwand ein Türbogen von etwa gleichem Ausmaß zu sehen wie die beiden unteren. Zeitweise war das die Verbindungsöffnung für die vorderen und rückwärtigen Teile der Orgel, (auf der alten Westempore gegenüber dem ursprünglichen Standort des Altars in der Apsis der geosteten alten Kirche).
Prospekt und Spielwerk der Orgel waren "in"der Kirche, das Luftwerk hatte seinen Platz im Turm.
Der Zugang dorthin, bwz. von der Außentreppe an der Nordwand des Turms zur Empore war ein schmaler Durchlass, dessen Bogen aus Raseneisenstein gefügt ist, wie auch der des früheren Westeingangs.

c) Ganz am Anfang war der Kirchturm vermutlich nicht Glockenträger und bei weitem nicht so hoch wie heute. (In Bergen und vielen anderen Gemeinden der Lüneburger Heide stehen noch heute gesonderte Glockenträger-Bauwerke.)

Mit großer Wahrscheinlichkeit war der Turm der ursprüngliche Standort des bronzenen Taufbeckens (13.Jahrhundert), das nun jedoch seit langem, dem Namen der Kirche Rechnung tragend, im "Mittelpunkt" des Kirchenschiffs steht.

Das alte Kirchturmuhrwerk (Fa. Weule, Bockenem, 1869) musste über schwere Gewichte wöchendlich aufgezogen werden. Als Arbeitserleichterung und wegen einiger Schäden an der Mechanik wurde das Uhrwerk 1999 stillgelegt. Uhr und Stundenglocken werden seither von einer funkgesteuerten elektronischen Uhr betrieben.

Die Bronzeglocken wurden im 1. Weltkrieg eingeschmolzen und 1922 durch ein wohlklingendes Geläut von drei Guss-Stahlglocken ersetzt. (Deren Lebensdauer ist allerdings begrenzt, sodass die Gemeinde in absehbarer Zeit vor die Aufgabe gestellt sein wird, die Mittel für ein traditionelles Bronzegeläut zu beschaffen.)
1995 wurde eine Läutewerksautomatik eingebaut, die für ein Jahr im voraus programmierbar ist.
Besonderheiten des Läutens sind:
Das alltägliche "Angelusläuten" - drei mal drei Schläge um 7 und um 17 Uhr (Die Zeit ist ausreichend, um das Vater Unser zu sprechen.)
Das "Schauerläuten" - am Vorabend der hohen Feiertage, einschließlich des Karfreitags, drei mal drei Minuten, mit jeweils einer Minute Pause.
Das "Ausläuten" - nach der Meldung vom Tod eines Gemeindemitgliedes ertönt abends um 18.30 Uhr für einige Minuten das Geläut der tiefen (großen) Glocke.

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